Cannabis bei Depression und Angststörungen

Cannabis bei Depression und Angststörungen

Du schläfst schlecht, leidest unter tiefer Niedergeschlagenheit und bleierner Antriebslosigkeit – und die Antidepressiva, die du bisher ausprobiert hast, wirken nicht ausreichend oder du verträgst sie nicht gut. Gerade bei chronischen oder therapieresistenten Depressionen hoffen viele Betroffene, dass medizinisches Cannabis eine Option sein könnte. Eine klare Antwort setzt jedoch eine ehrliche Einschätzung der Datenlage voraus.

Die aktuelle Studienlage

Diese Seite zeigt dir den aktuellen Forschungsstand, erklärt die Wirkweise und gibt dir realistische Erwartungen – gestützt auf ein klinisches systematisches Review aus 2020, eine JAMA-Metaanalyse, Beobachtungsstudien und regulatorische Quellen.

Was sagen aktuelle Studien zur Wirksamkeit von Cannabis?

Kontrollierte klinische Studien zur Wirksamkeit von Cannabis als primäres Mittel gegen Depressionen fehlen bisher weitgehend.[1] Die aktuelle Datenlage beschränkt sich auf Beobachtungsstudien und präklinische Arbeiten. Diese konzentrieren sich vor allem auf Begleitsymptome wie Schlafstörungen, innere Unruhe und Angstzustände. Ein klinisches systematisches Review von Sarris et al. (2020) zeigt zwar erste positive Hinweise für CBD bei Ängsten, bewertet den Gesamtbefund jedoch als eingeschränkt.1

Die standardisierte Depressionsbehandlung stützt sich auf Psychotherapie und, bei mittelschwerem Verlauf, auf Antidepressiva wie SSRIs oder SNRIs.2 Medizinisches Cannabis kann in der Fachwelt höchstens eine unterstützende Rolle spielen, nicht jedoch als Ersatz für diese etablierten Therapien dienen.

Ob Cannabis für dich infrage kommt, entscheidet ein Arzt nach einer individuellen medizinischen Prüfung.

Wie wirkt Cannabis bei Depressionen?

Depression: Schweregrad und Therapieeignung

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, verlaufen jedoch nicht bei jedem Menschen gleich. Neben den klassischen Verläufen oder saisonalen Depressionen (SAD) entscheidet vor allem der Schweregrad über die Behandlung. Während bei einer leichten Depression vor allem aktive Maßnahmen und eine Psychotherapie im Vordergrund stehen, kommen bei mittelschweren und schweren Verläufen meist Antidepressiva hinzu.2 Davon hängt auch ab, ob medizinisches Cannabis überhaupt sinnvoll sein kann.

Wichtig: BBei akuter Suizidalität oder psychotischen Symptomen ist eine umgehende psychiatrische Abklärung erforderlich. Diese Seite behandelt ausschließlich Informationen zu cannabinoidhaltigen Arzneimitteln und ersetzt keine psychiatrische Notfallversorgung.

Die biologische Wirkung im Endocannabinoid-System

Die Wirkung von medizinischem Cannabis basiert auf dem körpereigenen Endocannabinoid-System (ECS). Dieses regulatorische Netzwerk besteht aus CB1- und CB2-Rezeptoren sowie den Botenstoffen Anandamid und 2-AG. Es beeinflusst unter anderem die Stimmung, die Stressreaktion und den Schlaf.

Daten aus Laboruntersuchungen deuten darauf hin, dass dieses System bei Depressionen im Ungleichgewicht ist. So zeigten Gewebeuntersuchungen nach dem Tod eine geringere Dichte an CB1-Rezeptoren im präfrontalen Kortex.3 Während klassische Antidepressiva meist am Botenstoff Serotonin ansetzen, ist klinisch noch nicht belegt, ob Cannabinoide diesen körpereigenen ECS-Mechanismus beim Menschen gezielt therapeutisch ansprechen können.

THC und CBD: Was ist der Unterschied bei Depressionen?

THC bei Depressionen

Tetrahydrocannabinol bindet direkt an die CB1-Rezeptoren. Es kann kurzfristig stimmungsaufhellend wirken sowie Schlaf und Appetit verbessern. Allerdings zeigt eine Metaanalyse von Langzeitstudien auch ein Risiko, denn regelmäßiger Cannabiskonsum ist mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einer Depressionsdiagnose assoziiert (OR 1,62; 95 % CI 1,21–2,16).4 Die Ursächlichkeit ist nicht abschließend geklärt, da Menschen mit Depressionen ohnehin häufiger zu Cannabis greifen. Fest steht jedoch, dass ein unkontrollierter Konsum von hochdosiertem THC die Symptome verschlimmern kann.

CBD bei Depressionen

Das Cannabinoid CBD wirkt nicht psychoaktiv.In Labor- und Tierstudien zeigt CBD angstlösende Effekte und Wirkungen, die denen klassischer Antidepressiva ähneln, unter anderem über den 5-HT1A-Rezeptor und durch Hemmung des Anandamidabbaus.[3][5] Obwohl klinische Belege für die Wirksamkeit am Menschen noch begrenzt sind, gelten antidepressive Effekte in der Forschung derzeit als vielversprechender Ansatz für den Einsatz von CBD bei Depressionen und Angststörungen.

Weitere Indikationen für medizinisches Cannabis findest du in unserer Übersicht der häufigsten Indikationen.

Cannabis bei Depression: Welche Symptome lassen sich damit ansprechen?

Da wissenschaftliche Belege dafür fehlen, dass Cannabinoide direkt gegen Depressionen helfen, orientiert sich der Einsatz in der Praxis an den typischen Begleiterscheinungen. Für diese Bereiche liegt eine etwas bessere Datenlage vor:

  • Schlafstörungen: Ein- und Durchschlafprobleme treten bei Depressionen sehr häufig auf. Cannabis kann das Einschlafen erleichtern und die Schlafdauer verlängern. Für die Anwendung am Abend eignen sich vor allem orale Darreichungsformen wie Extrakte oder Öle.
  • Innere Unruhe und Angstzustände: Viele Betroffene, die unter Depressionen leiden, stehen unter ständiger Anspannung. Die Wirkung von CBD wird in wissenschaftlichen Arbeiten unter anderem im Zusammenhang mit solchen Angstsymptomen untersucht. Ob und in welchem Umfang sich daraus ein klinischer Nutzen ergibt, muss individuell ärztlich beurteilt werden.5
  • Kurzfristige Stimmungstiefs: In diesem Bereich ist die wissenschaftliche Datenlage am schwächsten. Patienten berichten zwar immer wieder, dass Cannabinoide eine kurzzeitige, stimmungsaufhellende Wirkung haben können, nachhaltige Langzeiteffekte sind jedoch nicht belegt.6
BegleitsymptomEinnahmeformWirkungseintrittEvidenzlage
SchlafstörungenÖl / Kapseln, abends30–90 Min.Beobachtungsstudien
Innere Unruhe / AngstCBD-Öl / Extrakt, oral30–90 Min.Limitierte Reviews
Kurzfristige StimmungstiefsInhalation / Öl5–90 Min.Einzelberichte

Welcher Ansatz für dich sinnvoll ist, prüft dein Arzt anhand deiner Gesamtsituation.

Welche Cannabissorte bei Depression?

Da keine wissenschaftlich belegten Empfehlungen für bestimmte Sorten von Cannabis Sativa vorliegen, die gezielt bei Depressionen eingesetzt werden, richtet sich die ärztliche Auswahl nach den individuellen Symptomen und der Verträglichkeit. Die Sorten lassen sich in drei grundlegende Profile unterteilen:

  • THC-dominante Sorten: THC-dominante Produkte wurden unter anderem im Zusammenhang mit Schlafparametern untersucht. Wenn Patienten jedoch zu Angstzuständen oder paranoidem Erleben neigen, ist Vorsicht geboten, da hohe THC-Dosen diese Symptome verstärken können. Ein Einsatz kommt meist nur in sehr niedriger Dosierung und für die Anwendung am Abend infrage.
  • Ausgewogene THC:CBD-Sorten (Verhältnis 1:1): Sie sind für viele Betroffene verträglicher, weil CBD die typischen Nebenwirkungen von THC, wie etwa Herzrasen oder Angstgefühle, abmildern kann. In der klinischen Praxis werden unterschiedliche Anwendungszeitpunkte diskutiert. Eine allgemeingültige Empfehlung lässt sich aus der aktuellen Datenlage nicht ableiten.
  • CBD-dominante Produkte: Für CBD-dominierte Produkte werden andere Nebenwirkungsprofile beschrieben als für THC-dominierte Produkte. CBD verursacht keinen Rauschzustand und wirkt angstlösend. Zudem deuten Labordaten auf eine Wirkung hin, die den klassischen Antidepressiva ähnelt.35
In Studien untersuchte AnwendungUntersuchte ProduktprofileHinweis
Schlaf verbessernTHC-betont, niedrig dosiertNur abends, ärztlich begleitet
Angst / innere UnruheCBD-dominantBreitestes Sicherheitsprofil
Tagsüber / DauertherapieCBD-dominant / 1:1Kein THC-Rausch tagsüber

Welche Cannabissorte bei Depressionen konkret für dich infrage kommt, legt der Arzt individuell fest. Bei Privatrezept.net kannst du bis zu sechs Sorten pro Rezept aus über 1.400 Produkten auswählen.

Cannabis bei Depressionen vs. Antidepressiva

SSRIs und SNRIs

Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (wie Escitalopram, Sertralin oder Paroxetin) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (wie Venlafaxin und Duloxetin) gelten als Medikamente der ersten Wahl bei mittelschweren bis schweren Depressionen.2 Die Ansprechrate bei dieser Standardtherapie liegt bei etwa 50 bis 60 Prozent. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehören anfängliche Übelkeit, Schlafstörungen und sexuelle Funktionsstörungen.

MAO-Hemmer

Medikamente wie Tranylcypromin gehören zu den älteren Antidepressiva. Sie weisen ein enges Wechselwirkungsprofil auf, weshalb bei ihrer Einnahme strenge Vorgaben gelten. Die gleichzeitige Anwendung von Cannabis ist klinisch nicht systematisch untersucht. Aufgrund möglicher pharmakologischer Überlappungen sollte eine Kombination ausschließlich unter enger ärztlicher Aufsicht stattfinden.

Trizyklische Antidepressiva

Wirkstoffe wie Amitriptylin und Nortriptylin werden im Körper durch das Enzym CYP2D6 metabolisiert. Da die Forschung zeigt, dass CBD jedoch die Enzyme CYP2D6 und CYP3A4 hemmt, kann sich der Abbau dieser Antidepressiva verzögern.7 In der Folge kann der Plasmaspiegel im Blut steigen, was die Nebenwirkungen der Trizyklika verstärken kann. Eine gemeinsame Einnahme erfordert daher zwingend eine regelmäßige ärztliche Überwachung.

Was bedeutet Cannabis als Therapieoption für Patienten, die bereits Antidepressiva einnehmen?

Die potenziellen Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden und Antidepressiva sind von hoher klinischer Bedeutung. Da CBD die Leberenzyme CYP3A4 und CYP2D6 hemmt, kann sich der Abbau von Wirkstoffen wie Amitriptylin, Paroxetin und Escitalopram im Körper verzögern.7 Dies kann unter Umständen zu einem unerwünschten Anstieg der Plasmakonzentration im Blut und damit zu stärkeren Nebenwirkungen führen.

Falls du bereits Antidepressiva einnimmst, ist diese Information bei jeder medizinischen Beratung durch einen Arzt oder Anamnese essenziell und zwingend anzugeben. Zudem gilt die dringende therapeutische Empfehlung: Setze deine verordneten Antidepressiva niemals eigenmächtig ab, um sie durch Cannabis zu ersetzen. Jeder Wechsel oder jede Ergänzung der Medikation muss eng mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Mehr zu allen Wechselwirkungen: Cannabis-Wechselwirkungen im Überblick.

MedikamentKlasseCYP-RelevanzInteraktionsrisiko mit Cannabis
EscitalopramSSRICYP2C19, CYP3A4Mittel (CBD hemmt CYP3A4)
ParoxetinSSRICYP2D6 (stark)Hoch (CBD hemmt CYP2D6)
VenlafaxinSNRICYP2D6Mittel
AmitriptylinTrizyklischCYP2D6Hoch
MAO-HemmerMAOIKontraindikation prüfen

Wie nehme ich Cannabis bei Depressionen ein?

Verdampfen

Das Vaporisieren mit einem medizinischen Vaporisator ist die empfohlene Inhalationsform. Dabei werden die Cannabinoide bei kontrollierter Temperatur verdampft, ohne dass schädliche Verbrennungsprodukte entstehen. Da die Wirkung bereits nach 5 bis 15 Minuten einsetzt, eignet sich diese Methode vor allem für den Abend. Tagsüber ist bei einer Depression eher Vorsicht geboten, da die schnelle und intensive Wirkung die Konzentration beeinträchtigen kann.

Cannabisextrakte und Öle (orale Einnahme)

Orale Darreichungsformen unterscheiden sich hinsichtlich Wirkungseintritt und Wirkdauer von inhalativen Anwendungen. Öle und Extrakte ermöglichen eine gleichmäßige Dosierung und werden in der Literatur häufig im Zusammenhang mit längerfristigen Anwendungskonzepten beschrieben. Der Wirkungseintritt verzögert sich hierbei auf 30 Minuten bis zu drei Stunden, dafür hält der Effekt deutlich länger an. Extrakte werden unter anderem im Zusammenhang mit Schlafparametern untersucht.

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Spray

Sprays werden direkt auf die Mundschleimhaut aufgetragen. Da die Wirkstoffe dort direkt resorbiert werden, setzt der Effekt mit 15 bis 45 Minuten schneller ein als bei geschluckten Ölen. Diese Form kann in akuten Phasen innerer Unruhe hilfreich sein, wenn ein rascherer Wirkungseintritt gewünscht wird. Allerdings ist die Verfügbarkeit entsprechender Präparate in Deutschland derzeit stark eingeschränkt.

Wie schnell hilft Cannabis bei Depressionen?

Inhalation

Hier setzt der Effekt bereits nach 5 bis 15 Minuten ein. Im Gegensatz zu klassischen Antidepressiva, die eine mehrwöchige Einschleichphase benötigen, ist diese schnelle Wirkung auf die Stimmung oder die Entspannung jedoch meist nur von kurzer Dauer. Im Rahmen einer Depressionsbehandlung birgt dies das Risiko, zu früh erneut zu inhalieren. Zu hohe THC-Dosen können die Symptome zudem umkehren und Ängste sowie Unruhe verstärken, anstatt sie zu lindern.

Orale Einnahme

Die Wirkung entfaltet sich deutlich langsamer und setzt nach etwa 30 Minuten bis zu drei Stunden ein. Dafür ist der Effekt gleichmäßiger und hält über einen längeren Zeitraum an. Um beispielsweise Schlafstörungen gezielt zu behandeln und sicherzustellen, dass Cannabis seine Wirkung rechtzeitig entfaltet, empfiehlt sich die Einnahme etwa 1 bis 2 Stunden vor dem Schlafengehen.

Faktoren die den Wirkungseintritt beeinflussen

  • THC:CBD-Verhältnis: Produkte mit einem hohen CBD-Anteil wirken in der Regel gleichmäßiger und rufen keinen abrupten, intensiv spürbaren Rausch hervor.
  • Die Nahrungsaufnahme: Da Cannabinoide fettlöslich sind, nimmt der Körper orale Extrakte deutlich besser und schneller auf, wenn sie zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden.
  • CYP-Interaktionen mit Antidepressiva: CBD kann den Abbau bestimmter Antidepressiva in der Leber verzögern, was die Wirkung und Nebenwirkungen der bestehenden Medikation unvorhersehbar beeinflussen kann.[7]
  • Toleranz: Bei einer längerfristigen, regelmäßigen Anwendung kann sich der Körper an die Cannabinoide gewöhnen, sodass im Verlauf eine Anpassung der Dosierung erforderlich sein kann.

Welche Nebenwirkungen können bei einer Cannabis-Therapie bei Depressionen auftreten?

Die Anwendung von medizinischem Cannabis ist nicht risikofrei und muss, insbesondere bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, sorgfältig abgewogen werden.

Allgemeine Nebenwirkungen der Cannabinoide

Zu den häufigen Begleiterscheinungen gehören Schwindel, Mundtrockenheit und Müdigkeit. Höhere THC-Dosen können zudem akute Angstzustände, Herzrasen und vorübergehende Einschränkungen der kognitiven Leistungsfähigkeit auslösen. Bei langfristiger und regelmäßiger Anwendung besteht darüber hinaus das Risiko, eine psychische Abhängigkeit zu entwickeln.

Wann eine Therapie mit Cannabis nicht geeignet ist (Kontraindikationen)

In bestimmten Lebenslagen oder bei spezifischen Vorerkrankungen ist eine Therapie mit medizinischem Cannabis grundsätzlich ausgeschlossen. Dazu gehören:

Cannabis ist nicht geeignet bei:

  • Schwere Depressionen, die von Suizidgedanken oder psychotischen Symptomen begleitet werden
  • Eine eigene oder familiäre Vorgeschichte von Psychosen oder Schizophrenie
  • Bipolare Störungen, sofern keine engmaschige psychiatrische Betreuung stattfindet
  • Bestehende Herzerkrankungen
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

Besondere Hinweise bei Depression

Regelmäßiger Hochdosis-THC-Konsum ist in Längsschnittstudien mit stärker ausgeprägten depressiven Symptomen assoziiert.

Eine Metaanalyse longitudinaler Studien zeigte erhöhte Odds für Depressionsdiagnosen bei Cannabisnutzern (OR 1,62; 95 % CI 1,21–2,16).4 Auch wenn die Ursächlichkeit nicht abschließend geklärt ist und Wechselwirkungen in beide Richtungen denkbar sind, steht fest: Eine unkontrollierte Selbstmedikation birgt große Risiken. Die engmaschige, ärztliche Begleitung und niedrig dosierte Anwendung ist damit nicht vergleichbar, erfordert jedoch ebenfalls eine kontinuierliche Kontrolle.

Cannabis ist kein Mittel gegen akute Krisen.

Medizinisches Cannabis ist kein Medikament für Notfälle. Bei akuter Suizidalität oder psychotischen Episoden ist Cannabis keinesfalls eine geeignete Behandlungsoption. Wende dich in diesen Situationen bitte sofort an die nächste psychiatrische Notaufnahme oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117.

Unterschiedliche Wirksamkeit nach Darreichungsform

  • Inhalation: Schnelles Einsetzen der Wirkung, was das Risiko einer akuten Überdosierung erhöht. Zu viel THC kann Angstsymptome abrupt verschlimmern.
  • Oral: Verzögerter Eintritt erhöht das Risiko, dass Patienten zu früh eine weitere Dosis nehmen. Für eine langfristige Behandlung ist diese Form dennoch meist besser planbar.

Vollständiges Nebenwirkungsprofil: Cannabis-Nebenwirkungen im Überblick.

Was kostet eine Cannabistherapie bei Depression?

Kassenleistung

Grundsätzlich besteht seit 2017 die gesetzliche Möglichkeit, dass die Krankenkassen die Kosten für medizinisches Cannabis übernehmen (§ 31 Abs. 6 SGB V).8 Dafür müssen Patienten gemeinsam mit ihrem Arzt einen individuellen Antrag einreichen, der medizinisch gut begründet und von der Kasse genehmigt sein muss. Bei der Diagnose einer Depression wird eine solche Übernahme allerdings nur selten bewilligt. Die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme werden individuell geprüft und richten sich unter anderem nach dem bisherigen Therapieverlauf.

Selbstzahlung

Da die Hürden für eine gesetzliche Kostenübernahme bei psychischen Erkrankungen sehr hoch sind, nutzen viele Patienten die Cannabis-Therapie bei Depressionen als Selbstzahler über ein Privatrezept. Die Gesamtkosten setzen sich dabei aus der ärztlichen Beratung und den eigentlichen Kosten für das Medikament in der Apotheke zusammen.

Ein Rezept bei Privatrezept.net kostet 14,99€ (Stand 06.2026). Die Produktkosten kommen je nach Produkt und verordneter Menge hinzu.

Cannabis-Rezept bei Depression: Der Ablauf der ärztlichen Prüfung

Seit dem Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (CanG) im April 2024 ist die Hürde für eine medizinische Verordnung gesunken. Ärzte können Cannabis auf Rezept in der Regel als Privatrezept ausstellen. Die Verordnung erfolgt auf Grundlage einer individuellen ärztlichen Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung der geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen.8 Der Prüfungsprozess läuft in der Regel in drei Schritten ab.

Beschwerden einordnen

Im Rahmen der medizinischen Befragung (Anamnese) gibst du die genaue Art und den Schweregrad deiner depressiven Symptome an. Wichtig sind hierbei vor allem die Begleitsymptome wie Schlafstörungen, Angstzustände oder innere Unruhe, aber auch die Dauer der Beschwerden sowie Informationen über laufende Psychotherapien.

Vorbehandlungen prüfen

Der Arzt prüft, welche Therapien du bereits durchlaufen hast. Für ein Privatrezept ist ein lückenloser, formaler Nachweis zwar rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben, allerdings kommt medizinisches Cannabis in der Regel erst dann infrage, wenn mindestens eine leitliniengerechte Standardtherapie keine ausreichende Linderung erzielt hat.

Welches Cannabis ist bei Depressionen das Richtige für dich?

Auf Basis dieser Angaben beurteilt der Arzt, ob Cannabis als Therapie-Option medizinisch sicher und sinnvoll ist. Ist dies der Fall, legt er die passende Darreichungsform (etwa Extrakte, Kapseln oder Blüten zum Vaporisieren) sowie das optimale THC-CBD-Verhältnis fest. Nach einer positiven Prüfung wird das Rezept digital ausgestellt.

Cannabis bei Depression: Erfahrungen aus der Praxis

Da große klinische Studien fehlen, gewinnen strukturierte Erfahrungsberichte an Bedeutung. Eine Beobachtungsstudie von Cuttler et al. (2018), die auf selbstberichteten Daten aus Konsumprotokollen per App basiert, zeigte die Tendenz von Cannabis, kurzzeitig depressive Symptome zu lindern (Reduktion um 7,2 Prozent). Angstzustände reduzierten sich um 58,1 Prozent und Stress um 50,3 Prozent.6 Da die Untersuchung ohne Kontrollgruppe durchgeführt wurde, ist die wissenschaftliche Aussagekraft zwar begrenzt, die Tendenz deckt sich jedoch mit dem berichteten klinischen Bild.

In Beobachtungsdaten wurden Veränderungen bei Schlaf und subjektivem Belastungserleben beschrieben, eine direkte antidepressive Wirkung im klassischen Sinne wird jedoch seltener dokumentiert. Das deckt sich mit der Datenlage, wonach Cannabis Begleitsymptome der Depression positiv beeinflussen kann, jedoch keinesfalls ein vollwertiger Ersatz für ein Antidepressivum ist.

Wichtig: Erfahrungsberichte aus Foren oder sozialen Medien sind kein Ersatz für eine medizinische Einschätzung. Ob Cannabis bei Depressionen für dich infrage kommt, beurteilt ein Arzt anhand deiner individuellen Krankengeschichte.

Studien & Quellen

Hier ist ein Überblick über die Studien, auf die sich diese Seite stützt:

StudieDesignTeilnehmerErgebnisJahr
Sarris J et al.Systematic Reviewk. A.Erste Hinweise für CBD bei Angst; keine RCTs für Depression als Primärendpunkt2020
Whiting PF et al.Meta-Analysis6.462Moderate Evidenz für Angstreduktion; Depression als Primärendpunkt nicht belegt2015
García-Gutiérrez MS et al.Narrative ReviewPräklinischCBD-antidepressiver Effekt über 5-HT1A; keine Human-RCTs2020
Cuttler C et al.Observational (App-Daten)k. A.Kurzfristige Reduktion Depressions- (7,2 %) und Angstsymptome (58,1 %)2018
Lev-Ran S et al.Meta-Analysis (longitudinal)k. A.OR 1,62 (95 % CI 1,21–2,16) für Depression bei Cannabisnutzern2014

Die Evidenzlage für Depressionen als Primärindikation ist deutlich schwächer als bei Schmerz oder Schlaf. Der Schwerpunkt liegt auf Begleiterscheinungen wie Angst und Schlafstörungen, für die etwas bessere Hinweise vorliegen.

Quellen

  1. Sarris J, Sinclair J, Karamacoska D, Davidson M, Firth J (2020). Medicinal cannabis for psychiatric disorders: a clinically-focused systematic review. BMC Psychiatry. 20(1):24. PMID: 31948456. DOI: 10.1186/s12888-019-2458-5 2

  2. Leitliniengruppe Unipolare Depression (2022). S3-Leitlinie/NVL Unipolare Depression, 3. Auflage. AWMF Reg.-Nr. nvl-005. Verfügbar unter: https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/nvl-005.html 2 3

  3. García-Gutiérrez MS, Navarrete F, Gasparyan A, Austrich-Olivares A, Sala F, Manzanares J (2020). Cannabidiol: A Potential New Alternative for the Treatment of Anxiety, Depression, and Psychotic Disorders. Biomolecules. 10(11):1575. PMID: 33333747. DOI: 10.3390/biom10111575 2 3

  4. Lev-Ran S, Roerecke M, Le Foll B, George TP, McKenzie K, Rehm J (2014). The association between cannabis use and depression: a systematic review and meta-analysis of longitudinal studies. Psychological Medicine. 44(4):797–810. PMID: 23795762. DOI: 10.1017/S0033291713001438 2

  5. Blessing EM, Steenkamp MM, Manzanares J, Marmar CR (2015). Cannabidiol as a Potential Treatment for Anxiety Disorders. Neurotherapeutics. 12(4):825–836. PMID: 26341251. DOI: 10.1007/s13311-015-0387-1 2 3

  6. Cuttler C, Spradlin A, McLaughlin RJ (2018). A naturalistic examination of the perceived effects of cannabis on negative affect. Journal of Affective Disorders. 235:198–205. PMID: 29660580. DOI: 10.1016/j.jad.2018.04.054 2

  7. Khan R, Naveed S, Mian N, Fida A, Raafey MA, Aedma KK (2022). Contemplating cannabis? The complex relationship between cannabinoids and hepatic metabolism resulting in the potential for drug-drug interactions. Frontiers in Psychiatry. 13:1055481. PMC: 9871609. DOI: 10.3389/fpsyt.2022.1055481 2 3

  8. Cannabisgesetz (CanG), in Kraft getreten am 01. April 2024. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/cang/ | SGB V § 31 Abs. 6. 2

Häufig gestellte Fragen zu Cannabis bei Depressionen und Angststörungen

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