Cannabis-Hersteller in Deutschland: Alle Produzenten & Importeure im Überblick

Seit der Herausnahme von Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz im April 2024 ist der deutsche Markt für Medizinalcannabis rasant gewachsen. Inzwischen stehen Patient:innen über 1.300 Cannabissorten von mehr als 58 Herstellern und Importeuren zur Verfügung — von etablierten Konzernen wie Tilray und Aurora bis zu jungen Marken wie Avaay oder Four 20 Pharma.

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Was ist ein Cannabis-Hersteller?

Im deutschen Medizinalcannabis-Markt werden drei Begriffe häufig synonym verwendet, die rechtlich und funktional unterschiedliche Bedeutungen haben:

Produzent (Grower): Unternehmen, das Cannabispflanzen tatsächlich anbaut. Produzenten sitzen meist in Kanada, Portugal, Dänemark, Australien, Israel, Uruguay, Kolumbien oder Nordmazedonien. In Deutschland bauen bislang nur drei Unternehmen selbst an: Demecan, Aphria (Tilray) und Aurora.

Importeur: Unternehmen mit Erlaubnis nach §72 AMG, das Cannabis aus dem Ausland nach Deutschland bringt und pharmazeutisch freigibt. Importeure stellen sicher, dass die Ware EU-GMP-Standards erfüllt, und vertreiben sie an den pharmazeutischen Großhandel oder direkt an Apotheken.

Hersteller nach §13 AMG: Unternehmen mit Herstellungserlaubnis, das Cannabis weiterverarbeitet, umverpackt oder in Rezepturqualität überführt. Viele Importeure sind gleichzeitig Hersteller im Sinne des Arzneimittelgesetzes.

Marke: Der Handelsname, unter dem ein Produkt im Apothekensortiment geführt wird. Ein Mutterkonzern (z. B. Sanity Group) kann mehrere Marken führen (z. B. Avaay Medical). Nicht jede Marke ist ein eigener Produzent.

Für Patient:innen bedeutet das: Auf dem Apothekenlabel steht in der Regel die Marke bzw. der Importeur, nicht der tatsächliche Grower. Die Sorte kann von mehreren Anbietern parallel vertrieben werden.

Hersteller & Marken A–Z

Glossar: Zertifizierungen & rechtliche Begriffe

EU-GMP (Good Manufacturing Practice)
Europäischer Qualitätsstandard für die Herstellung von Arzneimitteln. Pflicht für jeden Hersteller, dessen Cannabis in EU-Apotheken abgegeben werden soll. Kontrolliert Anlagen, Prozesse, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit.
GACP (Good Agricultural and Collection Practices)
WHO-Standard für landwirtschaftliche Produktion pflanzlicher Arzneimittelrohstoffe. Regelt Aussaat, Anbau, Ernte und Trocknung. Cannabis durchläuft in der Regel GACP beim Anbau und EU-GMP bei der Weiterverarbeitung.
§13 AMG (Arzneimittelgesetz)
Deutsche Herstellungserlaubnis. Wer Arzneimittel gewerbsmäßig in Deutschland herstellt — dazu zählt auch das Umverpacken oder Zerkleinern von Cannabisblüten zu Rezepturzwecken — benötigt diese Erlaubnis vom zuständigen Landesamt.
§72 AMG
Einfuhrerlaubnis für Arzneimittel aus Drittstaaten. Notwendig für Importeure von Cannabis aus Kanada, Uruguay, Israel etc.
§52a AMG
Großhandelserlaubnis. Pharmazeutische Großhändler dürfen Arzneimittel an Apotheken weiterverkaufen.
BfArM / Cannabisagentur
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte überwacht den Medizinalcannabis-Markt. Die bei ihm angesiedelte Cannabisagentur verkauft das in Deutschland angebaute Cannabis an Großhändler weiter.
Cansativa
Exklusiver Logistikpartner der Cannabisagentur — verteilt das von BfArM aufgekaufte deutsche Indoor-Cannabis.
MedCanG (Medizinal-Cannabisgesetz)
Seit 1. April 2024 in Kraft; regelt medizinisches Cannabis separat vom Konsumcannabisgesetz (KCanG). Hat die Verschreibung erheblich vereinfacht, da Cannabis nicht mehr als Betäubungsmittel klassifiziert wird.
Bestrahlung
Einige Hersteller bestrahlen Blüten mit Gammastrahlung zur Keimreduktion. „Unbestrahlt" wird von manchen Anbietern (z. B. Avaay) als Qualitätsmerkmal beworben.

Häufig gestellte Fragen

Welche Cannabis-Hersteller gibt es in Deutschland?

In Deutschland sind aktuell über 58 Hersteller und Importeure für medizinisches Cannabis aktiv. Zu den größten Anbietern zählen Remexian, Cantourage, Cannamedical, Tilray, Aurora, Demecan, Avaay und Bedrocan. Eine vollständige Liste findest Du in unserer Hersteller-Übersicht A–Z auf dieser Seite.

Wie viele Cannabissorten sind in Deutschland erhältlich?

Aktuelle Marktauswertungen nennen über 1.300 unterschiedliche Sorten. Die Zahl schwankt, da kontinuierlich neue Kultivare zugelassen und einzelne Sorten wegen Lieferengpässen zeitweise nicht verfügbar sind.

Welche Hersteller bauen in Deutschland an?

Aktuell verfügen nur drei Unternehmen über Anbaulizenzen nach MedCanG: Demecan (Dresden), Aphria/Tilray (Neumünster) und Aurora (Leuna). Der Großteil der in Deutschland verfügbaren Blüten wird importiert — überwiegend aus Kanada und Portugal.

Was ist der Unterschied zwischen einem Hersteller und einem Importeur?

Ein Produzent/Hersteller baut Cannabis an und verarbeitet es. Ein Importeur bringt Cannabis aus dem Ausland nach Deutschland und prüft es pharmazeutisch. Viele Unternehmen sind beides zugleich — zum Beispiel importieren sie Rohware und verpacken sie dann nach §13 AMG selbst für den deutschen Markt.

Ist medizinisches Cannabis aus Deutschland besser als importiertes?

Nein, die Qualität hängt nicht vom Herkunftsland ab, sondern von den Zertifizierungen und Produktionsstandards. EU-GMP-zertifizierte Ware muss unabhängig vom Anbauort dieselben Standards erfüllen. Unterschiede gibt es teils in Preis und Verfügbarkeit.

Warum ist meine verschriebene Sorte manchmal nicht verfügbar?

Cannabis ist ein Naturprodukt, das in Chargen produziert wird. Zwischen Ernten kann es zu Lieferengpässen kommen. Zudem verlieren Importeure gelegentlich Verträge mit ausländischen Produzenten, wodurch Sorten dauerhaft vom Markt verschwinden. Deine Ärztin oder dein Arzt kann in der Regel eine Alternativsorte mit ähnlichem THC/CBD-Profil vorschlagen.

Welcher Cannabis-Hersteller ist der beste?

Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. „Beste" hängt immer von der individuellen Therapie, der verschriebenen Sorte und den persönlichen Ansprüchen (z. B. bestrahlt vs. unbestrahlt, Preis, Indikation) ab.

Kann ich den Hersteller meiner Cannabissorte wechseln?

Dieselbe Sorte (z. B. Bedrocan „Bedrocan") wird häufig nur von einem Hersteller produziert. Viele beliebte Kultivare wie „Amnesia Haze" oder „MAC 1" werden jedoch von mehreren Anbietern geführt — die Produkte unterscheiden sich dann in Anbaubedingungen, Terpenprofil und Preis. Ein Wechsel ist nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt möglich.

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