Cannabisextrakte: medizinische Herstellung und Anwendung erklärt
Blüten oder Extrakt, was ist da eigentlich der Unterschied? Kurz gesagt: die Darreichungsform. Cannabisextrakte sind konzentrierte Auszüge aus der Cannabispflanze, meist als Öl, das du tropfenweise einnimmst, statt es zu verdampfen. Bei Privatrezept.net findest du aktuell 115 Cannabisextrakte im Live-Bestand, aus über 100 Partnerapotheken, mit geprüften THC- und CBD-Werten.
Wie ein Extrakt entsteht, wie man ihn einnimmt und worauf es bei der Dosierung ankommt, erfährst du hier.
Was ist ein Cannabisextrakt?
Um medizinische Cannabisextrakte zu erhalten, werden die Wirkstoffe der Pflanze konzentriert und in flüssiger Form, meist als Öl in einer Tropfflasche, verabreicht. Aber auch die Einnahme in fester Form, zum Beispiel als Kapsel, ist möglich. Neben THC und CBD enthalten viele Extrakte weitere Cannabinoide sowie Terpene, die zum Geruchs- und Geschmacksprofil beitragen, aber nicht Hauptträger der Wirkung sind.
Eingenommen werden die Extrakte normalerweise mithilfe einer Pipette, sodass sie einfach zu dosieren sind. Wichtig ist dabei, dass der Wirkstoffgehalt und die Zusammensetzung der Cannabinoide standardisiert angegeben werden müssen, in Milligramm THC oder CBD pro Milliliter oder Tropfen. Du bekommst also ein streng geprüftes Arzneimittel ohne unerwünschte Zusätze.
Was sind Vollspektrum-Extrakte?
Immer wieder ist die Rede von Vollspektrum-Extrakten. Gemeint sind Extrakte, die neben THC und CBD auch weitere Cannabinoide, Terpene und Flavonoide (also Aromastoffe und pflanzliche Begleitstoffe) der Pflanze enthalten, also nicht nur isoliertes THC.
Die Forschung beschäftigt sich aktuell damit, ob dieses Zusammenspiel der Inhaltsstoffe zu einem sogenannten Entourage-Effekt führt, also einer möglichen gegenseitigen Beeinflussung der Wirkstoffe. Belastbar erforscht ist das bisher nicht abschließend, die therapeutische Wirkung ist also nicht garantiert.
Extraktionsverfahren: Wie werden Cannabis Extrakte hergestellt?
Um die Wirkstoffe aus der Cannabispflanze herauszulösen, gibt es verschiedene Extraktionsverfahren. Zwei kommen bei medizinischem Cannabis am häufigsten vor: die CO₂-Extraktion und die Ethanol-Extraktion.
Bei der CO₂-Extraktion wird Kohlendioxid unter Druck so eingesetzt, dass es die Cannabinoide und Terpene aus der Pflanze löst, ohne Lösungsmittelrückstände zu hinterlassen. Das führt zu einer sehr hohen Reinheit. Bei der Extraktion mit Ethanol übernimmt Alkohol diese Aufgabe. Aber keine Sorge: der Alkohol wird anschließend wieder verdampft.
Egal, wie die Fachleute die Wirkstoffe extrahieren – im Ergebnis unterscheiden sie sich vor allem in den Terpenen, also im Geschmack und Geruch des fertigen Extrakts. Für dich als Patientin oder Patienten ist vor allem eines wichtig: Was bei der Extraktion herauskommt, ist ein Auszug aus der Cannabispflanze mit geprüftem, standardisiertem Wirkstoffgehalt.
Anwendung von medizinischen Cannabisextrakten
Die Einnahme ist unkompliziert, sollte aber nur nach der Anweisung deines Arztes oder deiner Ärztin erfolgen: Du nimmst die verordnete Tropfenzahl oral ein, meist mit etwas Abstand zu den Mahlzeiten, so wie auf deinem Rezept vorgegeben.
Manche Extrakte nimmst du sublingual, also unter der Zunge, wo der Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Aber auch die herkömmliche orale Einnahme mit einem Löffel ist möglich.
Wichtig dabei: Auch die Dosierung legt die Ärztin oder der Arzt fest, nicht du selbst nach Gefühl. Wer bei Extrakten eigenmächtig experimentiert, riskiert unerwünschte Nebenwirkungen.
Wirkung: was Extrakte von Blüten unterscheidet
Extrakte und Blüten unterscheiden sich nicht nur in der Darreichungsform, sondern auch im zeitlichen Verlauf. Bei Extrakten setzt die Wirkung langsamer ein als bei inhalierten Blüten, meist nach etwa 30 bis 90 Minuten, weil der Wirkstoff erst über den Magen-Darm-Trakt oder sublingual aufgenommen werden muss.
Die tatsächliche Dosis von Cannabinoiden, die du am Ende einnimmst, ergibt sich erst aus der verschriebenen Tropfenzahl. Eine pauschale Aussage zur Wirksamkeit und Verträglichkeit lässt sich übrigens nicht ableiten, weil beides stark vom Einzelfall abhängt.
Wirkstoffe von medizinischen Cannabisextrakten
Medizinische Cannabisextrakte wirken, wie alle Cannabisarzneimittel, über das Endocannabinoid-System des Körpers – ein Netzwerk aus Rezeptoren, das derzeit intensiv erforscht wird. Für die Praxis zählt bei Extrakten aber vor allem ein anderer Faktor: der genau bezifferte Gehalt der beiden wichtigsten Cannabinoide.
- THC (Tetrahydrocannabinol) ist der psychoaktive Bestandteil der Pflanze. Bei Extrakten wird der THC-Gehalt in Milligramm pro Milliliter oder in Prozent angegeben. Es gibt verschiedenste THC-Extrakte – die Konzentration reicht dabei von sehr niedrig bis hoch.
- CBD (Cannabidiol) wirkt nicht berauschend. Auch der CBD-Gehalt wird standardisiert auf dem Rezept für medizinisches Cannabisextrakt ausgewiesen.
Welche Genetik (Sativa oder Indica) und welches Verhältnis von THC und CBD für dich infrage kommt, legt der Arzt oder die Ärztin anhand der medizinischen Indikation fest, also anhand deines konkreten Beschwerdebildes. Die Konzentration allein ist also nicht ausschlaggebend für die Therapie.
Medizinische Cannabisextrakte als Kapseln: die vordosierte Variante
Kapseln sind im Grunde ein Extrakt in fester, vorportionierter Form für die orale Einnahme. Statt wie bei einem reinen Cannabisextrakt Tropfen zu zählen, nimmst du eine feste Einzeldosis, die dein Arzt oder deine Ärztin dir verschrieben hat – dosieren musst du also nicht selbst. Welche Form besser zu dir passt, ist eine Frage, die du am besten direkt bei der Beratung mit dem medizinischen Fachpersonal klärst.
Was hinter der Verschreibungspflicht steckt
Ob als Blüte, Extrakt, Weichpastille oder Kapsel: Seit 2024 gilt medizinisches Cannabis aufgrund des Medizinal-Cannabisgesetzes in Deutschland nicht mehr als Betäubungsmittel, sondern als verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Dadurch haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Verordnung und Dokumentation verändert.
Genau wie bei anderen medizinischen Cannabisprodukten beginnt der Prozess bei Cannabisextrakten mit einer ärztlichen Einschätzung. Die Ärztin oder der Arzt prüft, ob eine Behandlung mit einem entsprechenden Arzneimittel im jeweiligen Einzelfall medizinisch in Betracht kommt – das ist übrigens auch telemedizinisch möglich. Wird eine Verordnung ausgestellt, kann das medizinische Cannabis anschließend mit einem Rezept über eine Apotheke bezogen werden.
Entscheidend sind dabei die individuellen Umstände, die mithilfe deines medizinischen Fragebogens beurteilt werden. Dabei können unter anderem deine bestehenden Beschwerden, bisherige Behandlungsversuche und die aktuelle Medikation einfließen.
Wichtig: Eine Verordnung kann nicht vorausgesetzt werden, denn die Entscheidung darüber trifft die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach eigener medizinischer Einschätzung.
Cannabisextrakte auf Rezept: der Ablauf
Der Weg zu deinem Cannabisextrakt läuft bei Privatrezept.net in fünf Schritten:
- Fragebogen ausfüllen. Du machst Angaben zu deiner gesundheitlichen Situation, bereits eingenommenen Medikamenten und Allergien. Anschließend verifizierst du deine Identität per Ausweis oder Reisepass.
- Apotheke auswählen. Du gibst an, über welche Apotheke eine mögliche Versorgung laufen soll.
- Ärztliche Prüfung. Eine Ärztin oder ein Arzt sichtet deine Angaben und entscheidet unabhängig, ob eine Behandlung mit medizinischem Cannabis medizinisch vertretbar ist, und wenn ja, in welcher Form. Diese Entscheidung ist offen, sie kann auch negativ ausfallen.
- Verordnung und Abgabe. Kommt eine Verordnung zustande, geht das Rezept an die gewählte Apotheke. Die Apotheke ist für Abgabe, Beratung und Versand zuständig, Bearbeitungs- und Lieferzeiten hängen entsprechend von Apotheke und Versanddienstleister ab.
- Weitere Verordnungen. Läuft die Therapie weiter, erfolgt jede Folgeverordnung erneut nach ärztlicher Prüfung.
Wichtig: Privatrezept.net ist eine reine Vermittlungsplattform. Wir verbinden Patientinnen und Patienten mit approbierten Ärztinnen und Ärzten und mit Partnerapotheken. Wir geben selbst keine Arzneimittel ab und haben keinen Einfluss auf ärztliche Entscheidungen.