Hilft Cannabis bei Rheuma und Arthrose?

Hilft Cannabis bei Rheuma und Arthrose?

Eingeschränkte Beweglichkeit und empfindliche Gelenke kosten im Alltag viel Kraft. Wenn du langfristig mit Gelenkbeschwerden lebst, kennst du die etablierten therapeutischen Optionen meist sehr gut. Manchmal wächst jedoch das Bedürfnis, über die Standardversorgung hinaus aktiv zu werden. Vielleicht fragst du dich: Hilft Cannabis bei Rheuma? Hilft Cannabis bei Arthrose? Und kommt medizinisches Cannabis als ergänzende Therapieoption überhaupt für dich infrage?

Alles zur aktuellen Studienlage und Cannabis als Therapieoption

Wir zeigen dir, was die aktuelle Studienlage zu Rheuma und Cannabis sowie zu Arthrose tatsächlich hergibt, wie sich die Evidenz zwischen entzündlichem Rheuma und degenerativer Arthrose unterscheidet und welchen Stellenwert die Cannabinoide nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) haben.

Was sagen die aktuellen Studien?

Diese Seite stützt sich auf systematische Reviews zu Cannabis bei rheumatischen Schmerzen,12 zwei aktuelle Übersichtsarbeiten speziell zur Arthrose,34 ein Scoping-Review zur rheumatoiden Arthritis,5 die einzige randomisierte Studie zur rheumatoiden Arthritis,6 zwei aktuelle Studien zu Cannabidiol bei Knie-Arthrose,78 die Begleiterhebung des BfArM,9 die offizielle Position der DGRh aus 202410 sowie auf das Cannabisgesetz.11

In Kurzform: Die direkte Studienlage zu Cannabis und zur Behandlung von Rheuma und Arthrose ist begrenzt, deutlich dünner als die zu chronischen Rückenschmerzen. Für Patienten mit rheumatoider Arthritis gibt es eine einzige randomisierte Studie aus dem Jahr 2006 mit 58 Teilnehmenden.6 Für Kniearthrose haben dagegen zwei aktuelle randomisierte Studien gezeigt, dass hochdosiertes CBD allein keine signifikante Schmerzlinderung gegenüber Placebo erreicht.78

Obwohl die gezielte Anwendung von CBD als Monotherapie in diesen Untersuchungen enttäuschend ausfiel, ist sie Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.9 Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie gibt keine generelle Empfehlung, hält die Therapie im selektierten Einzelfall jedoch innerhalb eines Gesamttherapiekonzepts für vertretbar.10

Cannabis ist kein Ersatz für krankheitsmodifizierende Medikamente bei rheumatoider Arthritis. Es kann nur als symptomatische Ergänzung diskutiert werden, wenn Schmerz, Schlaf oder Lebensqualität trotz der Basistherapie weiterhin eingeschränkt bleiben. Ob Cannabis für dich infrage kommt, entscheidet ein Arzt nach einer individuellen medizinischen Prüfung.

Weitere Informationen zur übergeordneten Schmerzindikation findest du in unserem Ratgeber „Cannabis bei chronischen Schmerzen“.

Wie könnte Cannabis bei Rheuma und Arthrose wirken?

Rheuma und Arthrose: Was ist der Unterschied?

Rheuma und Arthrose werden im Alltag oft in einen Topf geworfen, sind medizinisch jedoch zwei unterschiedliche Krankheitsbilder. Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung. Dein Immunsystem greift die Gelenkschleimhaut an, es entsteht eine chronische Entzündung, die Knorpel und Knochen schädigen kann. Typisch sind symmetrische Gelenkschwellungen, Morgensteifigkeit über 30 Minuten sowie systemische Entzündungszeichen.

Arthrose hingegen ist eine degenerative Gelenkerkrankung. Der Knorpel verschleißt, Knochen reiben auf Knochen, der Schmerz entsteht primär mechanisch und ist anfangs belastungsabhängig. Erst im späteren Verlauf treten entzündliche Komponenten hinzu, die sogenannte aktivierte Arthrose.

Für die Cannabistherapie ist diese Unterscheidung relevant, denn die Studienlage bei rheumatoider Arthritis und Arthrose ist unterschiedlich, und auch der theoretische Wirkansatz greift an unterschiedlichen Stellen.

Das Endocannabinoid-System und Gelenke

Dein Körper hat ein eigenes Endocannabinoid-System (ECS). Das ist ein Netzwerk aus Rezeptoren und körpereigenen Botenstoffen, das Schmerz, Entzündungen, Schlaf und Immunantworten mitreguliert. Die beiden wichtigsten Rezeptoren heißen CB1 und CB2. CB1-Rezeptoren sitzen vor allem im Nervensystem, CB2-Rezeptoren auf Immunzellen und in entzündetem Gewebe.

Präklinische Daten zeigen, dass Cannabinoide in Zellkulturen die Proliferation synovialer Fibroblasten sowie die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine hemmen können.5 Die Forschung sucht gezielt nach Belegen dafür, dass Cannabinoide als entzündungshemmende Regulatoren wirken. Das ist die theoretische Rationale für einen möglichen Effekt im Zusammenhang mit Rheuma und Cannabis. Klinische Belege für eine krankheitsmodifizierende Wirkung beim Menschen gibt es allerdings nicht, da sich die präklinischen Befunde aus dem Reagenzglas nicht ohne Weiteres auf den Patientenalltag übertragen lassen.

THC und CBD: unterschiedliche Wirkprofile

  • THC (Tetrahydrocannabinol): bindet direkt an CB1-Rezeptoren im Nervensystem. Es wird im Zusammenhang mit der Schmerzverarbeitung im Gehirn untersucht. Die meisten positiven Studien zu chronischen Schmerzen verwendeten THC-haltige Präparate.2
  • CBD (Cannabidiol): wirkt indirekt und moduliert das ECS. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass CBD immunologische Signalwege beeinflusst. Es weist in präklinischen Untersuchungen Eigenschaften auf, die im Gewebe zu einer entzündungshemmenden Wirkung beitragen können, und es verursacht keinen Rauschzustand.

Besonders intensiv wird in Fachkreisen der potenzielle Nutzen von CBD bei Rheuma diskutiert. Während die reine Wirkung von CBD als isolierter Extrakt Entzündungsprozesse im Labor und in tierexperimentellen Modellen effektiv drosseln könnte, ist die Übertragbarkeit auf den Menschen noch nicht abschließend geklärt. In zwei aktuellen randomisierten Studien bei Kniearthrose hat eine isolierte Einnahme von CBD in hoher Dosierung allein keine signifikante Schmerzlinderung gegenüber Placebo erzielt.78 In der Praxis werden Präparate auf CBD‑Basis bei Gelenkbeschwerden häufig zusammen mit THC eingesetzt, etwa als Vollspektrum-Extrakt. Hintergrund ist die Annahme eines sogenannten Entourage-Effekts, bei dem mehrere Cannabinoide und Begleitstoffe synergetisch wirken könnten. Erste Studien und klinische Berichte deuten auf eine mögliche synergetische Wirkung hin, eine eindeutige wissenschaftliche Bestätigung für Gelenkerkrankungen steht jedoch noch aus.

Welche weiteren Indikationen für medizinisches Cannabis infrage kommen, zeigt unsere Übersicht der häufigsten Indikationen.

Cannabis bei Rheuma und Arthrose: Schubbehandlung und Dauertherapie

Wer die Anwendung von Cannabis als Schmerzmittel bei Arthrose oder Rheuma in Erwägung zieht, sollte den Nutzen realistisch einschätzen. Die Verwendung von Cannabis wird bei rheumatischen Schmerzen typischerweise in zwei Situationen diskutiert.

Akut bei Schub oder belastungsabhängigem Schmerz: schnell anflutendes vaporisiertes Cannabis kann hier ergänzend eingesetzt werden, wenn NSAR oder kurzzeitige Kortikoidgaben nicht ausreichen oder schlecht vertragen werden.

Dauertherapie bei chronischen Gelenkschmerzen: orale Formen wie Extrakte oder Kapseln werden für eine gleichmäßige, planbare Wirkung über den Tag verteilt eingesetzt. Diese kontinuierliche Anwendung zielt primär auf eine allgemeine Verbesserung der Lebensqualität ab.

Welcher Ansatz für dich sinnvoll ist und ob er zu deiner Grundtherapie passt, entscheidet der Arzt nach einer individuellen Prüfung.

Welche Cannabissorte bei Rheuma und Arthrose? Was die Studien untersucht haben

Die Wahl der Sorte hängt von der Diagnose, der Schmerzart und deiner THC-Verträglichkeit ab. Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Die wenigen verfügbaren Studien geben aber Orientierungspunkte:

Ausgewogene THC:CBD-Sorten**)** sind das einzige Profil, für das es bei rheumatoider Arthritis überhaupt eine randomisierte Studie gibt. In dieser kleinen Pilotstudie aus dem Jahr 2006 mit 58 Patienten mit rheumatoider Arthritis wurde die Wirkung eines THC:CBD-Sprays auf Schmerzen, nächtliche Schlafprobleme und die Krankheitsaktivität im Vergleich zu Placebo untersucht.6 Die Studie ist alt, klein und lief nur fünf Wochen lang, sie wird aber bis heute in jeder Übersichtsarbeit zur RA zitiert, weil es schlicht keine neueren randomisierten Daten gibt.

THC-dominante Sorten werden bei stark belastungsabhängigem Arthroseschmerz untersucht, wenn eine stärker analgetische Wirkung gewünscht wird. Direkte randomisierte Evidenz für THC-dominante Präparate bei Arthrose liegt allerdings nicht vor. Größere kontrollierte Studien stehen aus.4

CBD-dominante Produkte und reines CBD wurden in den letzten Jahren intensiv bei der Kniearthrose untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Eine randomisierte Studie aus 2023 mit 86 Patienten zeigte keinen signifikanten Vorteil von CBD gegenüber einem Placebo.7 Die CANOA-Studie aus 2025 mit einem CBD-reichen Cannabissativa-Öl bestätigte dieses Ergebnis.8 In Bezug auf CBD-Öl als Wundermittel gegen Arthrose ist die aktuelle Studienlage skeptisch, und dafür, dass entsprechende Monopräparate mit CBD wirken, fehlen bislang schlicht die klinischen Beweise.

Welche Sorte konkret für dich infrage kommt, legt der Arzt individuell fest. 

Cannabis bei Rheuma und Arthrose im Vergleich zu Standardmedikamenten

NSAR und COX-2-Hemmer

Nichtsteroidale Antirheumatika sowie selektive COX-2-Hemmer bilden die symptomatische Basistherapie bei Arthrose und rheumatoider Arthritis. Diese Wirkstoffe greifen direkt in das Entzündungsgeschehen ein. Allerdings ist ihr Einsatz durch erhebliche Einschränkungen begrenzt, da eine Langzeitanwendung das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre, kardiovaskuläre Ereignisse sowie eine zunehmende Nierenbelastung erhöht. Diese potenziellen Nebenwirkungen sind insbesondere für ältere Patientengruppen von hoher klinischer Relevanz.

Kortikoide

Glukokortikoide (Prednisolon oral, intraartikuläre Triamcinolon-Injektionen) werden bei aktiven Schüben eingesetzt. Sie wirken schnell und stark entzündungshemmend, sind jedoch aufgrund von Osteoporose, Diabetes-Risiko und anderen systemischen Nebenwirkungen langfristig nicht für die Dauertherapie geeignet.

DMARDs und Biologika (nur bei rheumatoider Arthritis)

Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs), sowie moderne Biologika stellen die eigentliche therapeutische Basis bei der rheumatoiden Arthritis dar. Zu diesen Substanzen zählen klassische Medikamente sowie zielgerichtete Therapien wie TNF-Hemmer, IL-6-Inhibitoren und JAK-Inhibitoren. Im Gegensatz zu reinen Schmerzmitteln greifen sie direkt ins fehlerhafte Immunsystem ein, um die fortschreitende Gelenkzerstörung zu verlangsamen oder idealerweise ganz zu stoppen.

Der Einsatz von medizinischem Cannabis weist keine vergleichbaren krankheitsmodifizierenden Eigenschaften auf und kann diese essenziellen Medikamente nicht ersetzen. Die DGRh unterstreicht in ihrer Stellungnahme aus dem Jahr 2024 ausdrücklich, dass eine strukturverändernde oder gelenkstützende Wirkung von Cannabinoiden mit verlässlichen entzündungshemmenden Effekten auf die Gelenkstruktur wissenschaftlich nicht belegt ist.10 Die medizinische Priorität bei der rheumatoiden Arthritis liegt zwingend auf der Verhinderung von Gelenkschäden, weshalb komplementäre Ansätze zur Entzündungshemmung die verordneten Basismedikamente niemals verzögern oder ersetzen dürfen.

Was bedeutet das für Patienten, die bereits Medikamente einnehmen?

Für Patienten unter bestehender Medikation ist die Berücksichtigung potenzieller Wechselwirkungen essenziell. Da Cannabinoide primär über die körpereigenen Cytochrom-P450-Enzyme in der Leber verstoffwechselt werden, können sie den Abbau und damit den Wirkstoffspiegel anderer Arzneimittel im Blut unvorhersehbar verändern. Dieser Mechanismus funktioniert auch in umgekehrter Richtung, sodass Rheumamedikamente den Cannabis-Effekt beeinflussen können.

Wichtig: Setze niemals eigenständig DMARDs, Biologika oder Schmerzmittel ab oder verändere eigenmächtig die Dosis.

Eine Übersicht möglicher Wechselwirkungen findest du unter „Cannabiswechselwirkungen im Überblick“. In jedem Fall solltest du deinem Arzt alle aktuellen Medikamente nennen, bevor du Cannabis einsetzt.

Kann eine Cannabissalbe zur Linderung von Arthrose oder Rheuma beitragen?

Cannabis- oder CBD-Salben werden online viel beworben, sind in den meisten Fällen jedoch Kosmetika oder Nahrungsergänzungsmittel, keine verschreibungspflichtigen Arzneimittel zur Behandlung von Schmerzen und Entzündungen. Sie enthalten in der Regel kein THC, sondern nur geringe CBD-Konzentrationen.

Die wissenschaftliche Evidenz für topische Cannabinoide bei Arthrose oder rheumatischen Gelenkschmerzen beim Menschen ist sehr begrenzt. Positive Befunde stammen überwiegend aus tierexperimentellen Studien, in denen transdermales CBD bei künstlich induzierter Arthritis Gelenkschwellung und Entzündung reduzierte. Hochwertige randomisierte Studien am Menschen zu topischem Cannabidiol bei Knie- oder Hüftarthrose fehlen weitgehend.

Wichtig zur Einordnung: Eine Cannabissalbe aus dem freien Verkauf ist medizinisch nicht mit verschreibungspflichtigem Cannabis gleichzusetzen. Wenn Salben für dich interessant sind, sprich vorher mit deinem Arzt darüber, welche Form bei deinen Beschwerden sinnvoll ist.

Welche Nebenwirkungen sind bei medizinischem Cannabis möglich?

Allgemeine Nebenwirkungen

Häufig treten Schwindel, Mundtrockenheit, Müdigkeit, leichte Übelkeit auf.2 Bei höheren THC-Dosen können vorübergehend Angstzustände, Herzrasen oder Konzentrationsstörungen auftreten. Bei regelmäßiger Anwendung besteht das Risiko einer psychischen Abhängigkeit. Eine systematische Übersicht über Langzeitdaten beschreibt die Gesamtprävalenz unerwünschter Ereignisse und Nebenwirkungen.12 

Cannabis ist nicht geeignet bei:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Persönlicher oder familiärer Vorgeschichte von Psychosen oder Schizophrenie
  • Schwerer Herzerkrankung
  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

Besondere Vorsicht bei älteren Patienten

Rheuma und Arthrose betreffen häufig Patienten über 60 Jahre. In dieser Altersgruppe sind zusätzliche Punkte relevant:

  • Sturzrisiko: Schwindel und Sedierung durch THC können Stürze begünstigen. Der Beginn mit einer niedrigen Dosis ist hier besonders wichtig.
  • Herzkreislauf: THC kann den Herzschlag beschleunigen und den Blutdruck kurzfristig beeinflussen. Bei koronarer Herzkrankheit ist eine ärztliche Abklärung Voraussetzung.
  • Kognition: Höhere THC-Dosen können die Konzentration beeinträchtigen, was im Alltag und bei der Verkehrstüchtigkeit relevant ist.

Unterschiede je Darreichungsform

  • Inhalation: Atemwegsreizung bei empfindlichen Patienten möglich. Schnellste Wirkung, aber auch das höchste Überdosierungsrisiko.
  • Oral: Verzögerter Wirkungseintritt erhöht das Risiko, zu früh nachzudosieren. Länger anhaltende systemische Wirkung.
  • Spray: Lokale Schleimhautreizung möglich. Applikationsstelle systematisch wechseln.

Vollständiges Nebenwirkungsprofil: Cannabisnebenwirkungen im Überblick.

Was kostet eine Cannabistherapie bei Rheuma und Arthrose?

Kassenleistung

Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung für medizinisches Cannabis ist nach § 31 Abs. 6 SGB V nur in begründeten Ausnahmefällen möglich. Voraussetzung ist, dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Therapie nicht zur Verfügung steht oder im Einzelfall nach ärztlicher Einschätzung nicht angewendet werden kann, und dass eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare Besserung besteht.

Bei rheumatischen Erkrankungen bedeutet das in der Praxis meist, dass konventionelle Therapien wie NSAR, Kortikoide, DMARDs und Biologika weitgehend ausgeschöpft sein müssen, bevor eine Cannabis‑Therapie als Kassenleistung infrage kommt.

Grundsätzlich kann dein behandelnder Arzt ein Antragsverfahren bei der Krankenkasse einleiten. Die Entscheidung, ob ein solcher Antrag gestellt wird, trifft dein Arzt im Rahmen deiner individuellen Behandlung.

Selbstzahlung

Wenn die gesetzliche Krankenversicherung keine Kostenübernahme gewährt, kommt die Therapie als Selbstzahlerleistung infrage. Nach einer kostenlosen medizinischen Vorprüfung wird im Falle einer Eignung eine Kaution hinterlegt; die weitere Versorgung erfolgt über ein ärztliches Privatrezept. Die laufenden Kosten für das Cannabisarzneimittel variieren je nach Sorte, Hersteller und Wirkstoffgehalt und werden bei der Apotheke abgerechnet.

So läuft die ärztliche Prüfung für die Therapie mit Cannabis bei Kopfschmerzen und Migräne ab

Seit Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes am 1. April 2024 ist für die Verordnung kein Betäubungsmittelrezept mehr erforderlich. 11

Beschwerden einordnen

Du gibst im Fragebogen an: Welche Diagnose liegt vor (rheumatoide Arthritis, Arthrose, andere), seit wann bestehen die Beschwerden, welche Gelenke sind betroffen, wie stark ist der Schmerz auf einer Skala von 0 bis 10, gibt es Morgensteifigkeit, sind Schlaf und Lebensqualität beeinträchtigt. Das ist die klinische Grundlage für die ärztliche Entscheidung.

Vorbehandlungen prüfen

In der Regel kommt Cannabis als Therapieoption infrage, wenn etablierte Standardtherapien nicht ausreichend gewirkt haben oder nicht verträglich waren. Bei rheumatoider Arthritis sind das in erster Linie DMARDs und Biologika, bei Arthrose das übliche Stufenschema aus nicht‑medikamentösen Maßnahmen, NSAR und gegebenenfalls weiteren Schmerzmitteln. Ob die Voraussetzungen für eine Kostenübernahme nach § 31 Abs. 6 SGB V erfüllt sind, prüft der Arzt im Einzelfall.

Welches Cannabis ist bei Rheuma und Arthrose das Richtige für dich?

Basierend auf deinen Angaben beurteilt der Arzt, ob Cannabis für dich geeignet ist, welche Darreichungsform sinnvoll ist und welches THC- und CBD-Verhältnis infrage kommt. Bei einer positiven Entscheidung erhältst du das Rezept digital und kannst es in jeder Apotheke einlösen, die medizinisches Cannabis führt.

Cannabis bei Rheuma und Arthrose: Versorgungsdaten aus Deutschland

Patientenerfahrungen mit Cannabis bei Rheuma und Arthrose lassen sich am ehesten anhand der deutschen Verordnungsdaten einordnen. Die Begleiterhebung des BfArM aus den Jahren 2017 bis 2022 zeigt: Mehr als 75 % aller in Deutschland erfassten medizinischen Cannabisbehandlungen erfolgten aufgrund chronischer Schmerzen.9 Rheumatische Schmerzen, Gelenkschmerzen und Arthrose fallen unter diese Indikation. Auswertbar sind rund 21.000 Behandlungen, aber das BfArM weist explizit darauf hin, dass für rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie und Arthrose keine begründete Empfehlung möglich ist.

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit aus 2024 hat 28 Studien zu Cannabis bei rheumatologischen Erkrankungen ausgewertet, darunter 5 zu rheumatoider Arthritis, 7 zu Arthrose und 13 zu Fibromyalgie.13 Die Studien sind allerdings methodisch heterogen. Da randomisierte Daten, Beobachtungsstudien, Umfragen und Fallberichte vermischt sind, sind diese Erfahrungswerte mit Vorsicht zu interpretieren. Um die langfristige Sicherheit und die Synergien von Kombinationspräparaten besser zu verstehen, sind daher weitere Studien zwingend erforderlich.

Aus der klinischen Praxis ist bekannt, dass der Wirkungseintritt und die optimale Dosierung individuell stark variieren. Toleranzentwicklung, Genetik und die gewählte Einnahmeform spielen eine erhebliche Rolle. Eine schrittweise Dosisanpassung sowie eine engmaschige, fachlich behandelnde, begleitende Betreuung durch den Arzt sind deswegen enorm wichtig.

Wichtig: Erfahrungsberichte aus Foren oder sozialen Medien sind kein Ersatz für eine medizinische Einschätzung. Ob Cannabis bei deiner rheumatischen Erkrankung oder Arthrose infrage kommt, beurteilt ein Arzt anhand deiner individuellen Krankengeschichte.

Studien & Quellen

Hier ein Überblick der Studien und Quellen, auf die sich diese Seite stützt:

Studie / QuelleDesignTeilnehmerJahr
Fitzcharles et al.Systematisches Review von RCTs159 (4 RCTs)2016
Whiting et al.Systematisches Review + Meta-Analyse6.4622015
Dubois et al.Systematisches Review (Arthrose)7 Studien2024
Xiao et al.Scoping Review (Arthrose)10 Studien2024
Paland et al.Scoping Review (RA)k.A.2023
Blake et al.RCT bei rheumatoider Arthritis582006
Pramhas et al.RCT bei Kniearthrose862023
CANOA (Mojoli)RCT bei Kniearthrose452025
DGRh-PositionEmpfehlung Fachgesellschaft2024
BfArM BegleiterhebungBeobachtungsdaten Bundesinstitut~21.0002022

Die Studienlage zu Cannabis bei rheumatoider Arthritis und Arthrose ist im Vergleich zu chronischen Rückenschmerzen oder Migräne deutlich dünner. Direkte randomisierte Evidenz existiert nur für eine kleine Pilotstudie aus 2006 (RA) und zwei aktuelle Cannabidiol-Studien (OA, beide negativ). Cannabis wird daher in den breiteren Kontext "chronische Schmerzen" eingeordnet, in dem die Evidenz moderat ist.

Quellen

  1. Fitzcharles MA, Baerwald C, Ablin J, Häuser W (2016). Efficacy, tolerability and safety of cannabinoids in chronic pain associated with rheumatic diseases (fibromyalgia syndrome, back pain, osteoarthritis, rheumatoid arthritis): A systematic review of randomized controlled trials. Schmerz. 30(1):47–61. PMID: 26767993. DOI: 10.1007/s00482-015-0084-3

  2. Whiting PF, Wolff RF, Deshpande S, et al. (2015). Cannabinoids for Medical Use: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA. 313(24):2456–2473. PMID: 26103030. DOI: 10.1001/jama.2015.6358 2 3

  3. Dubois C, Danielson EC, Beestrum M, Eurich DT (2024). Medical cannabis and its efficacy/effectiveness on the management of osteoarthritis pain and function. Current Medical Research and Opinion. 40(7):1195–1202. PMID: 38832841. DOI: 10.1080/03007995.2024.2363945

  4. Xiao ATY, Turk T, Deol K, et al. (2024). Evidence for the use of cannabis-based medicines in osteoarthritis: a scoping review. Clinical Rheumatology. 43(8):2375–2390. PMID: 38853226. DOI: 10.1007/s10067-024-07001-7 2

  5. Paland N, Hamza H, Pechkovsky A, Aswad M, Shagidov D, Louria-Hayon I (2023). Cannabis and Rheumatoid Arthritis: A Scoping Review Evaluating the Benefits, Risks, and Future Research Directions. Rambam Maimonides Medical Journal. 14(4):e0022. PMID: 37917863. DOI: 10.5041/RMMJ.10509 2

  6. Blake DR, Robson P, Ho M, Jubb RW, McCabe CS (2006). Preliminary assessment of the efficacy, tolerability and safety of a cannabis-based medicine [...] in the treatment of pain caused by rheumatoid arthritis. Rheumatology (Oxford). 45(1):50–52. PMID: 16282192. DOI: 10.1093/rheumatology/kei183 2 3

  7. Pramhas S, Thalhammer T, Terner S, et al. (2023). Oral cannabidiol (CBD) as add-on to paracetamol for painful chronic osteoarthritis of the knee: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Lancet Regional Health Europe. 33:100777. DOI: 10.1016/j.lanepe.2023.100777 2 3 4

  8. Mojoli A, Haider O, Fakih Y, et al. (2025). Effects and safety of a CBD-rich Cannabis sativa oil in knee osteoarthritis: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial – CANOA. Frontiers in Pharmacology. 16:1657065. DOI: 10.3389/fphar.2025.1657065 2 3 4

  9. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) (2022). Begleiterhebung zu medizinischem Cannabis — Abschlussbericht. Pressemitteilung 05/2022. Verfügbar unter: https://www.bfarm.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2022/pm05-2022.html 2 3

  10. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) (2024). Behandlung mit Cannabis sativa. Stand 01.10.2024. Verfügbar unter: https://www.dgrh.de/lesen/empfehlungen/komplementaere-ansaetze/cannabis-sativa/ 2 3

  11. Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG), in Kraft getreten am 01. April 2024. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/medcang. 2

  12. Zeraatkar D, Cooper MA, Agarwal A, et al. (2022). Long-term and serious harms of medical cannabis and cannabinoids for chronic pain: a systematic review of non-randomised studies. BMJ Open. 12(8):e054282. PMID: 35926992. DOI: 10.1136/bmjopen-2021-054282

  13. de Carvalho JF, Ribeiro MFLDS, Skare T (2024). Cannabis therapy in rheumatological diseases: A systematic review. Northern Clinics of Istanbul. 11(4):361–366. PMID: 39165706. DOI: 10.14744/nci.2023.43669

Häufig gestellte Fragen zu Cannabis bei Rheuma und Arthrose

Du hast Fragen zur Cannabistherapie bei Rheuma oder Arthrose, zur Studienlage, zur Wirkung oder zum Rezept? Hier findest du kompakte Antworten speziell zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden und Gelenkverschleiß mit medizinischem Cannabis.

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