Der Tag fängt mit einem dumpfen Druck im Hinterkopf an, und am Abend liegst du wieder mit der Tablette im Dunkeln. Eine Packung Ibuprofen pro Woche, eine zweite im Schrank, und trotzdem kommen die Kopfschmerzen wieder. Wenn du an diesem Punkt bist, suchst du nach einer Option, die nicht nur den nächsten Anfall dämpft, sondern langfristig etwas verändert. Cannabis gegen Kopfschmerzen und Migräne wird in dieser Situation häufig nachgefragt, insbesondere von Betroffenen, denen klassische Medikamente nicht mehr ausreichen oder schlecht vertragen werden, sowie von Patienten, bei denen die Standardtherapie an ihre Grenzen stößt.
Die aktuelle Studienlage
Wir zeigen dir auf dieser Seite, was die aktuelle Studienlage zu medizinischem Cannabis bei Kopfschmerzen wirklich hergibt und wo die Grenzen liegen. Hilft Cannabis bei Kopfschmerzen? Für Spannungskopfschmerzen und Cluster-Kopfschmerzen ist die Evidenz dünn; viele Schmerzen werden allenfalls leicht gelindert. Für Migräne liegen derzeit mehr wissenschaftliche Daten vor als für andere primäre Kopfschmerzformen. Details findest du auf unserer Übersichtsseite zu Cannabis gegen Migräne.
Was sagen die aktuellen Studien?
Eine große app-basierte Auswertung dokumentierte 12.293 Cannabis-Anwendungen bei Kopfschmerzen und zeigte eine selbstberichtete Reduktion der Schmerzintensität um etwa 47 %, allerdings mit einer Toleranzentwicklung im Laufe der Zeit.1 Eine peer-reviewte Übersichtsarbeit fasst den Stand so zusammen: Es gibt aktuell nicht genug Evidenz aus gut konzipierten klinischen Studien, um Cannabis als Standardtherapie bei Kopfschmerzen zu empfehlen; es gibt jedoch plausible Mechanismen und vielversprechende Hinweise darauf, wie sich damit Kopfschmerzen lindern lassen.2 Zudem deuten einige wissenschaftliche Erhebungen darauf hin, dass medizinisches Cannabis eine Option für Patienten sein kann, die unter extremen, langjährigen Verläufen leiden. Die deutsche Leitlinie zum Spannungskopfschmerz führt Cannabis nicht als Therapieoption auf.3
Ob eine Behandlung mit Cannabis für dich infrage kommt, entscheidet ein Arzt nach einer individuellen Prüfung deiner Beschwerden, Vorbehandlungen und Medikamente.
Welche Formen von Kopfschmerzen gibt es?
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Die wichtigsten primären Arten von Kopfschmerzen sind muskelbedingte Kopfschmerzen, Migräne und Cluster-Kopfschmerzen. Daneben gibt es sekundäre Kopfschmerzen, die als Symptom einer anderen Erkrankung auftreten, sowie den Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz (MÜK), der durch zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln entsteht. Diese verschiedenen Formen bestimmen letztlich auch, wie effektiv die gewählte Therapie anschlägt, um die akuten Schmerzen im Kopf zu reduzieren.
Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Form. Sie fühlen sich dumpf-drückend an, oft beidseitig, wie ein Band um den Kopf. Als Erstlinientherapie gelten Paracetamol, Ibuprofen oder ASS für eine Soforthilfe bei einem Anfall; prophylaktisch Amitriptylin oder nicht-medikamentöse Verfahren wie Ausdauersport und Entspannungstraining.3
Cluster-Kopfschmerzen sind seltener, aber extrem intensiv. Die Schmerzen treten einseitig hinter dem Auge auf, oft mit tränendem Auge und verstopfter Nase. Eine Cluster-Attacke dauert 15 Minuten bis 3 Stunden und tritt in Phasen mehrfach täglich auf. In der Akutphase wird mit Sauerstoffinhalation und subkutanem Sumatriptan behandelt, prophylaktisch mit Verapamil oder einer Kortison-Stoßtherapie. Cannabis ist hier nicht etabliert. Mehr zum Thema Cannabis gegen Cluster-Kopfschmerzen weiter unten im Evidenzabschnitt.
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK) entsteht, wenn Schmerzmittel oder Triptane an mehr als 10–15 Tagen pro Monat eingenommen werden. Die Therapie besteht aus einer Medikamentenpause, kombiniert mit Prophylaxe.4
Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, bei der häufig starke Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Geräuschempfindlichkeit oder extreme Lichtempfindlichkeit auftreten. Wir behandeln sie ausführlich auf der Seite zu Cannabis bei Migräne, da sich die Studienlage und die Therapieoptionen deutlich von denen bei anderen Kopfschmerzarten unterscheiden.
Wie könnte Cannabis gegen primäre Kopfschmerzen wirken?
Dein Körper besitzt ein eigenes Endocannabinoid-System (ECS), bei dem es sich um ein Netzwerk aus Rezeptoren und Botenstoffen handelt, das Schmerz, Entzündung, Stimmung und Schlaf mitreguliert. Dieses physiologische System spielt eine zentrale Rolle bei der Weiterleitung und Verarbeitung von nozizeptiven Reizen im Nervensystem. Die körpereigenen Endocannabinoide Anandamid und 2-AG binden an CB1- und CB2-Rezeptoren im zentralen und peripheren Nervensystem. THC und CBD aus rezeptpflichtigen Hanfextrakten interagieren mit dem Endocannabinoid-System und werden im Zusammenhang mit der Modulation von Schmerzprozessen untersucht.
Daraus ergibt sich der theoretische Ansatzpunkt für die Schmerztherapie mit Cannabinoiden. 2 In internationalen Publikationen wie dem Journal of Cannabis Research wird hierbei auch gezielt die pharmakologische Wirkung des Cannabinoids analysiert.
Der Forscher Ethan Russo hat die Hypothese der klinischen Endocannabinoid-Defizienz (CECD) formuliert: Bei bestimmten anhaltenden Schmerzsyndromen, wie beispielsweise der Migräne, könnte eine Unterversorgung mit körpereigenen Endocannabinoiden vorliegen. Studien zeigten signifikante Unterschiede im Anandamidspiegel im Liquor von Migränepatienten.5 Diese Hypothese ist nicht abschließend bewiesen, liefert jedoch einen biologischen Ansatzpunkt dafür, warum Cannabinoide bei bestimmten Kopfschmerztypen wirken könnten.
THC und CBD gegen Kopfschmerzen: Was ist der Unterschied?
Wie genau THC und CBD wirken, hängt maßgeblich von ihrer Rezeptoraffinität ab.
THC (Tetrahydrocannabinol) bindet direkt an CB1-Rezeptoren im Gehirn. Es wird unter anderem im Zusammenhang mit der Schmerzwahrnehmung sowie mit migränebegleitenden Symptomen wie Übelkeit untersucht. In der app-basierten Auswertung von Cuttler wurden unter THC-haltigen Produkten stärkere Veränderungen der selbstberichteten Schmerzintensität dokumentiert als unter den anderen untersuchten Produktgruppen.1
CBD (Cannabidiol) wirkt indirekt, indem es das ECS moduliert, den Abbau von Anandamid hemmt und entzündungshemmend wirkt, ohne einen Rauschzustand auszulösen. Für die Frage „Hilft CBD gegen Kopfschmerzen?“ gibt es deutlich weniger belastbare Daten als für THC. Über die genaue medizinische Wirkung von CBD wird viel spekuliert, denn reines CBD wird häufig als Nahrungsergänzungsmittel vermarktet, unterscheidet sich jedoch von medizinischem CBD-Öl auf Rezept.
Was sagen die Studien zu den einzelnen Kopfschmerzarten?
Die Evidenz für Cannabis unterscheidet sich je nach Kopfschmerzform deutlich, daher sind pauschale Aussagen wie „Cannabis hilft bei Kopfschmerzen“ nicht haltbar.
Spannungskopfschmerz: Spezifische klinische Studien zu medizinischem Cannabis bei dieser muskulär bedingten Form fehlen weitgehend. Die Übersichtsarbeit von Lochte stellt fest, dass die antispasmodische Wirkung von Cannabis theoretisch auf muskuläre Verspannungen einwirken könnte. Klinische Belege dafür liegen bisher nicht vor.2 Die deutsche S1-Leitlinie führt Cannabis nicht als Therapieoption für den Spannungskopfschmerz auf.3 Auch für Kopfschmerzen bei Wetterfühligkeit oder bei stressbedingter Auslösung liegen keine kontrollierten Cannabisstudien vor. Wer trotzdem berichtet, dass Cannabis hier hilft, bewegt sich im Bereich individueller Erfahrungen, nicht im Bereich belegter Wirkungen.
Hilft Cannabis bei Cluster-Kopfschmerzen? Die Daten sind ernüchternd. Eine Befragung von 139 Patienten mit Cluster-Kopfschmerzen zeigte, dass 45,3 % Cannabis bei Cluster-Kopfschmerzen ausprobiert hatten, aber nur 25,9 % derjenigen, die es gegen die Attacken einsetzten, berichteten von einer Linderung. Einige Patienten berichteten sogar von einer Auslösung neuer Attacken.6 Eine regelmäßige Verwendung von Cannabis gegen Cluster-Kopfschmerzen wird daher in der Standardtherapie nicht empfohlen und ist auch keine Kassenleistung. Wenn du die Verwendung von Cannabis gegen Cluster-Kopfschmerzen dennoch erwägst, solltest du es nur unter enger medizinischer Begleitung einnehmen.
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz: Hier ist besondere Vorsicht geboten. Eine US-amerikanische Untersuchung an 368 Patienten mit chronischer Migräne zeigte, dass 81 % der aktuellen Cannabis-Konsumierenden von MÜK betroffen waren, gegenüber 41 % der Nicht-Konsumierenden (adjustierte Odds Ratio 6,3, p < 0,0001).7 Wenn du also bereits einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz hast, solltest du Cannabis nicht eigenmächtig als Lösung einsetzen. Die Therapie der Wahl bleibt der Medikamentenentzug.4
Migräne: Hier ist die Datenlage am besten. Patienten nutzen Cannabinoide vor allem in der Hoffnung, die intensiven Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit der Migräneattacken zu senken. Daher ist medizinisches Cannabis gegen Migräne mittlerweile Gegenstand intensiver klinischer Beobachtungsstudien. Wissenschaftler untersuchen fortlaufend, inwieweit Cannabinoide eine sinnvolle Option für die langfristige Behandlung von Migräne sein könnten. Eine Beobachtungsstudie mit 145 Migräne-Patienten zeigte, dass 61 % der Patienten nach durchschnittlich drei Jahren Cannabistherapie bei gleichzeitig reduziertem Konsum von Opioiden und Triptanen eine mindestens 50 %ige Reduktion der Anfallshäufigkeit erreichten.8 Details zum Wirkmechanismus, zur Akuttherapie und zu Studien über Cannabis gegen Migräne findest du auf unserer Übersichtsseite zu Cannabis bei Migräne.
Cannabis vs. Standardmedikamente bei Kopfschmerzen
Cannabis ist bei keinem primären Kopfschmerz eine Erstlinientherapie. Vor einer Cannabis-Verschreibung müssen die etablierten Behandlungen ausgeschöpft oder begründet nicht infrage gekommen sein.
| Medikament | Klasse | Einsatz | Typische Nebenwirkungen | MÜK-Risiko |
|---|---|---|---|---|
| Ibuprofen, ASS | NSAR | Akut Spannungskopfschmerz und Migräne | Magen-Darm-Beschwerden, Nieren | Hoch bei Dauergebrauch |
| Paracetamol | Analgetikum | Akut Spannungskopfschmerz | Leber bei Überdosierung | Hoch bei Dauergebrauch |
| Triptane | 5-HT-Agonisten | Akute Migräne (nicht Spannungskopfschmerz) | Engegefühl, Müdigkeit | Hoch bei Dauergebrauch |
| Amitriptylin | Trizyklikum | Prophylaxe Spannungskopfschmerz | Müdigkeit, Mundtrockenheit | Niedrig |
| Medizinisches Cannabis | Cannabinoide | Ergänzend bei therapieresistenten Fällen | Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit | Erhöht bei chronischem Konsum7 |
Was bedeutet die Behandlung von Kopfschmerzen mit medizinischem Cannabis für Patienten, die bereits Medikamente einnehmen?
Cannabis wird in der Leber über das CYP-Enzymsystem metabolisiert und kann den Blutspiegel anderer Medikamente beeinflussen. Besonders relevant sind Wechselwirkungen mit Triptanen, Antidepressiva (SSRI, SNRI) sowie Blutverdünnern. Eine ärztliche Prüfung deiner aktuellen Medikamentenliste ist daher vor der Verschreibung Pflicht. Details findest du auf unserer Übersichtsseite zu Cannabis-Wechselwirkungen.
Wie wird Cannabis bei Kopfschmerzen angewendet?
Die Anwendung von medizinischem Cannabis kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Die Wahl der Darreichungsform beeinflusst maßgeblich, wie schnell die Wirkung eintritt und wie lange sie anhält.
Verdampfen (Inhalieren): Bei inhalativer Anwendung wird in der Literatur ein schneller Wirkungseintritt beschrieben. Deshalb wurde diese Darreichungsform in Studien häufig im Zusammenhang mit plötzlich auftretenden Beschwerden untersucht. Die Dosierung lässt sich gut anpassen.
Mehr über das Aussehen und den Inhalt von Cannabisblüten erfährst du auf unserer Cannabisblüten-Übersicht. Geeignete Geräte findest du in unserer THC-Vapes-Kategorie.
Orale Einnahme (Öle, Kapseln, Extrakte): Cannabis-Öl auf Rezept wird tropfenweise unter die Zunge oder mit etwas Nahrung eingenommen. Der Wirkungseintritt erfolgt nach 30–90 Minuten. Die Wirkung hält länger an. Eine Pilotstudie zur Pharmakokinetik bei MÜK-Patienten zeigte, dass Cannabisöl eine deutlich höhere THC-Bioverfügbarkeit aufweist als selbst zubereitete Cannabis-Dekokte.9
Hier findest du eine Übersicht verfügbarer Cannabis-Extrakte und -Öle.
Mundspray: Spray (z. B. Nabiximols) wirkt in etwa 15–45 Minuten und enthält eine definierte Wirkstoffmenge pro Sprühstoß. Bei Kopfschmerzen wird Spray seltener eingesetzt als bei anderen Indikationen. Das Rauchen von Cannabis wird als therapeutische Anwendungsform nicht empfohlen, da die Verbrennungsprodukte die Atemwege belasten und die Dosierung ungenauer ist als beim Verdampfen.
Welche Nebenwirkungen und Risiken sind bei der Behandlung mit Cannabis möglich?
Die allgemeinen Nebenwirkungen des medizinischen Cannabis sind dosisabhängig und meist mild. Bekannt sind Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit, Konzentrationsstörungen, gelegentlich auch Übelkeit und Erbrechen. In der medizinischen Praxis werden cannabinoidhaltige Arzneimittel häufig in einer einschleichenden Dosierung verordnet. („start low, go slow”). Ausführliche Informationen findest du auf unserer Übersichtsseite zu Cannabis-Nebenwirkungen.
Cannabis ist nicht geeignet bei:
- bekannten psychotischen Erkrankungen oder familiärer Vorbelastung
- schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Patienten unter 18 Jahren (außer in Ausnahmefällen)
- bekannter Cannabis-Allergie
Besondere Warnung bei Kopfschmerzen: Es besteht das Risiko von Kopfschmerzen infolge von Medikamentenübergebrauch. Die bereits zitierte Studie an 368 Patienten zeigte, dass eine regelmäßige Cannabisnutzung mit einer deutlich erhöhten MÜK-Prävalenz assoziiert ist (81 % vs 41 %, adjustierte OR 6,3).7 Auch im Cannabis-Entzug können Kopfschmerzen auftreten. Wenn du eine Behandlung mit Cannabis bei Kopfschmerzen erwägst, solltest du daher die Häufigkeit der Einnahme eng mit deinem behandelnden Arzt absprechen. Die regelmäßige Anwendung muss kontrolliert werden und sollte nicht selbstgesteuert erfolgen.
Toleranzentwicklung: Die app-basierte Auswertung von Cuttler zeigte, dass die schmerzlindernde Wirkung im Laufe der Zeit nachließ und die Dosen tendenziell stiegen.1 Eine ärztliche Begleitung ist daher insbesondere bei längerer Anwendung wichtig.
Was kostet eine Cannabis-Therapie?
Kassenleistung: Seit 2017 ist die Verordnung von medizinischem Cannabis zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 31 Abs. 6 SGB V möglich. Ein vorheriger Antrag bei der Kasse ist erforderlich; allerdings übernimmt nicht jede Krankenkasse die Kosten ohne Weiteres, und die Anträge werden häufig abgelehnt. Bei reinem, dumpf-drückendem Kopfschmerz ohne Vorbehandlungsresistenz sind die Erfolgsaussichten auf eine Genehmigung der Krankenkasse gering.
Selbstzahlung: Über ein Privatrezept ist die Therapie unabhängig von der Kasse möglich. Bei uns kostet das Rezept 14,99 €. Cannabisblüten gibt es in den von uns empfohlenen Apotheken. Seit dem 1. April 2024 darf der Arzt medizinisches Cannabis per E-Rezept verschreiben.10
Cannabis-Rezept bei Kopfschmerzen: So läuft die ärztliche Prüfung ab
Mit Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes im April 2024 läuft die Verschreibung digital und ohne Betäubungsmittelrezept ab.10 Bekommt man wegen Kopfschmerzen Cannabis verschrieben? Ob eine Verordnung medizinisch infrage kommt, kann nur im Rahmen einer individuellen ärztlichen Prüfung beurteilt werden. Bei Privatrezept.net brauchst du keinen Vorbehandlungsnachweis, aber ein Arzt prüft jeden Antrag individuell.
Beschwerden einordnen: Im Fragebogen beschreibst du die Art, Häufigkeit und Intensität deiner Kopfschmerzen, deine bisherigen Therapien sowie die aktuell eingenommenen Medikamente. Wichtig sind Angaben zur Häufigkeit der Schmerzen pro Monat. Der Arzt kann beurteilen, ob ein MÜK-Risiko besteht.
Vorbehandlungen prüfen: Was hast du bereits ausprobiert? Welche Schmerzmittel, welche Prophylaxe, welche nicht-medikamentösen Verfahren? Bei chronischen Kopfschmerzen sollten die etablierten Optionen ausgeschöpft oder begründet nicht geeignet sein. Das ist auch die Grundvoraussetzung, falls man später eine Genehmigung der Krankenkasse zur Kostenübernahme anstrebt.
Welches Cannabis ist für dich das Richtige? Ob eine Behandlung von Kopfschmerzen mit Cannabis medizinisch infrage kommt und welche Darreichungsform (Inhalation, Öl) gegebenenfalls geeignet sein könnte. Das Rezept wird digital ausgestellt und ist in jeder Cannabis-Apotheke einlösbar.
Wirkung von Cannabis bei Kopfschmerzen: Erfahrungen aus der Praxis
Die größte verfügbare Auswertung zu Cannabis gegen Kopfschmerzen und Migräne stammt aus einer Tracking-App, in der 12.293 Anwendungen ausgewertet wurden. Die mittlere Schmerzreduktion betrug etwa 47 %.1 Männer berichteten von einer etwas stärkeren Reduktion als Frauen. Konzentrate wirkten stärker als Blüten. Über die Zeit wurde eine Toleranzentwicklung deutlich, die Dosen stiegen und die Wirkung ließ etwas nach.
Die BfArM-Begleiterhebung dokumentierte zwischen 2017 und 2022 rund 21.000 Cannabisbehandlungen in Deutschland. Mehr als 75 % dieser Behandlungen erfolgten aufgrund chronischer Schmerzen. Kopfschmerz war dabei keine eigenständige Hauptindikation, sondern häufig als Begleiterscheinung behandelt.11
Wichtig: Erfahrungsberichte aus Foren oder sozialen Medien sind kein Ersatz für eine medizinische Einschätzung. Die individuelle Wirkung hängt von deiner Kopfschmerzform, von Vorbehandlungen und von der Begleitmedikation ab.
Studien & Quellen
Hier ein Überblick über die Studien, auf die sich diese Seite stützt:
| Studie | Design | Teilnehmer | Ergebnis | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Cuttler et al. | App-basierte Beobachtung | 12.293 Anwendungen | ~47 % Reduktion der Kopfschmerz-Intensität, Toleranz | 2020 |
| Zhang & Woldeamanuel | Fall-Referenz-Studie | 368 | MÜK-Risiko bei Cannabis-Konsum erhöht (OR 6,3) | 2021 |
| Aviram et al. | Querschnittsstudie (Migräne) | 145 | 61 % Responder mit ≥50 % Anfallsreduktion (Migräne) | 2020 |
| Pellesi et al. | Pilot-Pharmakokinetik (MÜK) | 13 | Cannabis-Öl bessere Bioverfügbarkeit, gut verträglich | 2018 |
| Lochte et al. | Übersichtsarbeit | — | Evidenz für Kopfschmerz insgesamt begrenzt, plausible Mechanismen | 2017 |
| Russo | Hypothese / Review | — | CECD-Theorie für ECS-Dysfunktion bei chronischen Schmerzen | 2016 |
| AWMF S1 030/077 | Leitlinie Spannungskopfschmerz | — | Erstlinie NSAR/Paracetamol; Cannabis nicht aufgeführt | 2024 |
| AWMF S1 030/131 | Leitlinie MÜK | — | Therapie Medikamentenpause; Cannabinoide nicht empfohlen | 2022 |
| BfArM Begleiterhebung | Versorgungsdaten | ≈21.000 | >75 % Cannabis-Behandlungen wegen chronischer Schmerzen | 2022 |
Die Evidenz für medizinisches Cannabis bei primären Kopfschmerzen ist insgesamt heterogen. Am besten belegt ist sie bei Migräne und Kopfschmerzen (insbesondere der Migräne-Komponente), dünn bei Spannungs- und Clusterkopfschmerzen, mit einer klaren Warnung bei MÜK.
Quellen
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Cuttler C, Spradlin A, Cleveland MJ, Craft RM. Short- and Long-Term Effects of Cannabis on Headache and Migraine. J Pain. 2020 May-Jun;21(5-6):722-730. PMID: 31715263. DOI: 10.1016/j.jpain.2019.11.001 ↩ ↩2 ↩3 ↩4
-
Lochte BC, Beletsky A, Samuel NK, Grant I. The Use of Cannabis for Headache Disorders. Cannabis Cannabinoid Res. 2017 Apr 1;2(1):61-71. PMID: 28861505. DOI: 10.1089/can.2016.0033 ↩ ↩2 ↩3
-
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. AWMF-Registernummer 030/077. Stand März 2024. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-077 ↩ ↩2 ↩3
-
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). S1-Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (MOH). AWMF-Registernummer 030/131. Stand April 2022 (verlängert). https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/030-131 ↩ ↩2
-
Russo EB. Clinical Endocannabinoid Deficiency Reconsidered. Cannabis Cannabinoid Res. 2016;1(1):154-165. PMID: 28861491. DOI: 10.1089/can.2016.0009 ↩
-
Leroux E, Taifas I, Valade D, Donnet A, Chagnon M, Ducros A. Use of cannabis among 139 cluster headache sufferers. Cephalalgia. 2013 Feb;33(3):208-13. DOI: 10.1177/0333102412468669 ↩
-
Zhang N, Woldeamanuel YW. Medication overuse headache in patients with chronic migraine using cannabis: A case-referent study. Headache. 2021 Sep;61(8):1234-1244. PMID: 34370866. DOI: 10.1111/head.14195 ↩ ↩2 ↩3
-
Aviram J, Vysotski Y, Berman P, Lewitus GM, Eisenberg E, Meiri D. Migraine Frequency Decrease Following Prolonged Medical Cannabis Treatment: A Cross-Sectional Study. Brain Sci. 2020 Jun 9;10(6):360. DOI: 10.3390/brainsci10060360 ↩
-
Pellesi L, Licata M, Verri P, et al. Pharmacokinetics and tolerability of oral cannabis preparations in patients with medication overuse headache (MOH) — a pilot study. Eur J Clin Pharmacol. 2018 Nov;74(11):1427-1436. PMID: 29980818. DOI: 10.1007/s00228-018-2516-3 ↩
-
Gesetz zur Versorgung mit Cannabis zu medizinischen und medizinisch-wissenschaftlichen Zwecken (Medizinal-Cannabisgesetz, MedCanG). In Kraft seit 1. April 2024. https://www.gesetze-im-internet.de/medcang/ ↩ ↩2
-
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Abschlussbericht der Begleiterhebung nach § 31 Absatz 6 SGB V. Bonn, 2022. https://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bundesopiumstelle/Cannabis/Abschlussbericht_Begleiterhebung.pdf ↩
